Aus einer klassischen Tapezier-Werkstatt entwickelte sich ein Unternehmen, das sich der textilen Inneneinrichtung von gewerblichen, öffentlichen sowie privaten Räumen widmet. Für das Dresdner Unternehmen, geführt von Ralf Bisch-Chandaroff, ist kein Auftrag zu klein oder groß.
Die Anfänge des Unternehmens liegen einige Jahrzehnte zurück: 1936 gründete Willibald Ortner einen Werkstattbetrieb für Tapezierer in der Dresdner Neustadt. Als er in die Rente eintrat übernahm Karlfried Bisch-Chandaroff 1970 das Unternehmen und führte es unter seinem Namen als Werkstattbetrieb für Tapezierer, Polsterei und Dekoration fort.
Einige Jahre später, 1996, ging die unternehmerische Verantwortung schließlich an Ralf Bisch-Chandaroff (zeitweise gemeinsam mit seinem Bruder Jörg) über. Bevor er Handwerksmeister wurde, absolvierte er eine Facharbeiterausbildung für das Polster- und Dekorateurhandwerk.
Neben den klassischen Arbeiten in der Polster- und Nähwerkstatt werden auch Theatervorhänge, Produkte für Sicht- und Blendschutz oder auch textile Akustiklösungen hergestellt.
Mit der BC2-Serie bietet das Unternehmen zudem handwerklich, in Kleinserien gefertigte Loungemöbel an. Die dafür verwendeten Gestelle und Polster kommen aus Sachsen, die Textilien für die Bezüge aus einer norditalienischen Weberei. Der minimalistische Entwurf des Designbüros StephanPartner lässt eine Familie an Möbeln entstehen, die nach dem Steckprinzip aus Sitzpolster und Lehnenteil kombiniert werden. Drei Sitzbreiten und drei Lehnenhöhen ergeben dabei eine Serie wandelbarer Sessel und Sofas, die über variable Rückenkissen weiter individualisiert werden können.
Was bieten Sie Ihren Kunden? Was suchen Kunden (aus Ihrer Sicht) bei Ihnen?
Wir bieten Beratung, Planung und Herstellung von textilem Interieur für privat, gewerblich oder öffentlich genutzte Räume. Wir erfüllen Wünsche nach Einzelleistungen, nach kompletten textilen Raumausstattungen und sind ein verlässlicher Partner im Innenausbau.
Was können Sie besser als andere? Oder bescheidener gefragt: Haben Sie bzw. Ihr Unternehmen eine Art Alleinstellungsmerkmal oder besondere Kenntnisse, die ggf. selten sind?
Wir haben eine ausgeprägte handwerkliche Wertschöpfungstiefe und verfügen da über wirkliche Könnerschaft. In Bezug auf Design und Gestaltung vertrauen wir auf die jeweiligen Professionen – entsprechend gut sind dann die Ergebnisse. Etwas Demut ist da mitunter hilfreich. Ein Alleinstellungsmerkmal ist sicher unsere Loungemöbelkollektion, welche wir individualisiert für unsere Kunden herstellen. Neben Handwerk & Dienstleistung haben wir also auch eine typische Manufaktur-Produktion.
Ist das, was Sie tun, typisch für Ihre Region? Prägt das regionale Umfeld Sie und Ihre Tätigkeiten?
Das kann man so nicht sagen. Ich denke, das gute Handwerksbetriebe für alle Regionen in Deutschland typisch sind. Da Dresden auch stark von Kunst und Kultur geprägt ist, haben wir stets Aufträge innerhalb der Kunst- und Kulturlandschaft (Museen, Theater, etc.) was eventuell eine Besonderheit abbildet.
Gibt es etwas, für das Ihre Region bzw. Ihr Lebensort besonders bekannt ist?
In Dresden wären das u.a. der Striezelmarkt, der Christstollen, die Eierschecke, die Frauenkirche, das Kulturangebot und das gesamte Elbtal, in welches die Stadt wunderbar eingebettet ist. Aber auch die Halbleiterindustrie, die Universität, Forschung und Mittelstand in vielen Bereichen. Räumlich darüber hinaus dann vielleicht die Herrnhuter Sterne, die Holzkunst im Erzgebirge mit Räuchermann und Schwippbogen, das Meissner Porzellan und die Uhrenherstellung in Glashütte. Die Menschen hier sind recht frei und nicht in offizieller Korrektheit gefangen. In Dresden und Sachsen gibt es viel Gutes zu finden und es ist ein prima Ort zum Leben und Arbeiten.
Wo gehen Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?
In die Küche, um etwas zu kochen.
Können Sie ein Restaurant aus Ihrem Umfeld besonders empfehlen?
Kein Restaurant an sich, aber einen guten Pub: Paddy Foleys auf der Schandauer Straße 55 in Dresden Striessen.
Gibt es einen speziellen Einzelhandelsladen, den Sie empfehlen können, den es nur in Ihrem Ort (oder in der Region) gibt?
Nicht einzigartig aber auf jeden Fall empfehlenswert ist der Sweetwater RecordStore – ein Schallplattenladen in Dresden Loschwitz
Haben Sie das Gefühl, dass die Politik mehr für Sie bzw. Ihre Branche tun könnte? Wenn ja, was?
Unser Land ist gesellschaftlich und wirtschaftlich seit Jahren in einer Abwärtsbewegung. Die gilt es zu beenden. Die Politiker sollten aus Ihrer sogenannten politisch-demokratischen Mitte, was ja letztlich nur bedeutet, dass sie ihren eigenen Elfenbeinturm als Mittelpunkt betrachten, zur Seite rücken und die Bedürfnisse des Landes und der Menschen, mit etwas Demut und Realismus, als Mittelpunkt annehmen. Dann wäre allen und auch meiner Branche geholfen.
Wie ist die Ausbildungssituation in Ihrem Bereich? Finden Sie leicht Nachwuchs? Was vermissen Sie?
Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausgebildet, das aber seit 3 Jahren ausgesetzt. Durch die Fehlentwicklung im Bildungssystem fehlt es allzuoft an nötiger Ausbildungsreife und auch dem Wunsch, überhaupt handwerklich-gewerblich zu arbeiten. Die Notwendigkeit, etwas wirklich gut zu können, um im Leben mit eigener Leistung bestehen zu können, wird ja offiziell nicht mehr kommuniziert und gilt als überholt. Mein Fokus liegt aktuell darauf, das vorhandene Team zusammen zu halten, weiter zu entwickeln und ab und an, mit etwas Glück jemand Neues zu finden.
Sie haben ja zusammen mit Designer Marko Stephan das sogenannte Dresdner Zimmer initiiert, was hat es damit auf sich?
Es handelt sich um eine Arbeitsgemeinschaft von regionalen, im Metier Interieur, tätigen Unternehmen. Handwerkliche Produktion und auch Kunstfertigkeit, Technologie und gutes, professionelles Design ergeben eine wiedererkennbare Handschrift in den Produkten und Dienstleistungen der Beteiligten.
Das sind u.A. Leuchten, Sitzmöbel, Gobelins und Seidendamaste, Keramik oder auch individuelle, künstlerische Wandmalereien. Es gibt ein gemeinsames Verständnis von Handwerks-und Unternehmenskultur, mit ähnlichen Zielgruppen, welche auf der Plattform „Dresdner Zimmer“ angesprochen werden sollen.
Der Name „Dresdner Zimmer“ selbst, ist dabei eher ein Synonym für das Beschriebene in der Region Dresden & Sachsen und Mitteldeutschland.
Welches Schulfach sollte es geben, das es noch nicht gibt?
Ein Schulfach, welches es schon einmal gab und sich Praktische Arbeit nennt. Ergänzend noch etwas wirtschaftliche Allgemeinbildung zu Themen wie Geldsystem, Mehrwert, Steuern, Schulden, Leistungsprinzip mit wirklicher Marktwirtschaft und was gut daran ist.
Wenn Sie für ein Jahr Bürgermeister/in Ihrer Stadt oder Landrat/Landrätin in Ihrem Landkreis wären: Was würden Sie einführen oder ändern?
Ich würde versuchen für mehr Durchmischung von Wohnen – Leben und Gewerbe zu sorgen. Das Umnutzen von Industrie- und Gewerbeflächen hin zu Wohnnutzung, so wie in den vergangenen Jahren oft geschehen, würde ich kritischer prüfen. Städte und auch das Land leben von wirtschaftlicher Entwicklung! Daher, weniger „Industriemuseum & Fabrikloft“ aber dafür mehr echte Industrie, Gewerbe, Technologie und Forschung oder andere, wirkliche Wertschöpfung, die ohne staatliche Alimente auskommt!
Wenn Geld oder andere Abhängigkeiten keine Rolle spielen würden: Wo würden Sie am Liebsten leben?
Im Winter in den Bergen und im Sommer in einem Strandhaus am Meer.
Bisch-Chandaroff Werkstätten GmbH
Berggartenstraße 13
01277 Dresden










