Orgelbau Eule

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Orgelbau Eule

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Als Herman Eule 1872 sein Gewerbe als Orgelbauer in Bautzen anmeldete, lag eine mehrjährige Ausbildung bei Leopold Kohl in Bautzen hinter ihm. Wanderjahre führten ihn unter anderem nach Würzburg, wo er die damals modernste Form der Windlade, die mechanische Kegellade, kennenlernte und fortan baute.

Sein Grundprinzip größtmöglicher Solidität erwarb ihm bald einen guten Ruf in der Oberlausitz, später in ganz Sachsen und Böhmen. Zahlreiche seiner Werke sind bis auf den heutigen Tag erhalten.

Klanglich folgte Hermann Eule der Zeitströmung der Orgel-Hochromantik: sonore weit mensurierte Principale, wohlklingende Flöten und ausgeprägte Streicher bestimmen das Klangbild dieser Orgeln. Mit der Jahrhundertwende wandte er sich von der mechanischen Kegellade ab und baute seitdem die durch ihr Abstromprinzip sehr präzise funktionierende pneumatische Taschenlade. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstanden nach diesem System die großen dreimanualigen Instrumente für den Bautzener Dom und die Pauluskirche in Plauen.

Nach Hermann Eules Tod 1929 führte seine Tochter Johanna die Firma weiter. Die Einflüsse der Orgelbewegung fanden auch in Bautzen ihren Widerhall. So entstand hier 1936 die erste große neue Schleifladenorgel Sachsens für die Kreuzkirche in Chemnitz. In dieser Zeit begann auch die Restaurierungstätigkeit an bedeutenden historischen Orgeln, vor allem in Sachsen und Thüringen.

1957 wurde der Betrieb von Hans Eule übernommen. Mit hohem persönlichem Einsatz brachte er ihn zu neuer Blüte. Er schuf 134 neue Orgeln, darunter die größte in der DDR gebaute Kirchenorgel im Zwickauer Dom. Auch über die Grenzen hinaus erstreckte sich sein Wirken, nach Schweden, in die damalige Sowjetunion und die Bundesrepublik Deutschland.

Nach seinem frühen Tod 1971 führte seine Frau und ständige Mitarbeiterin Ingeborg Eule das Unternehmen weiter. Auch während der Jahre der Enteignung von 1972-1990 leitete sie den „Volkseigenen Betrieb“ weitsichtig und vorausschauend, sodass sie ihn im Sommer 1990 fast unbeschadet in das Familieneigentum zurückführen konnte. Von 1971 bis 2005 entstanden 231 neue Orgeln und 43 historische Instrumente wurden restauriert. Maßstäbe setzte in den 1970er Jahren die Restaurierung der großen barocken Trost-Orgel in der Schlosskapelle Altenburg unter der maßgeblichen Mitwirkung des heutigen Chefrestaurators Helmut Werner.

Mit Beginn des Jahres 2006 ging die Geschäftsleitung in jüngere Hände über: Anne-Christin Eule, Enkelin von Ingeborg Eule und Orgelbauerin sowie  Diplom-Betriebswirtin und seit Mai 2013 ist auch Orgelbaumeister Dirk Eule an Bord.

Orgelbauer beim Bau von Metallpfeifen (Foto Robert Michalk)

 

Neubau und Restaurierung stehen in der Orgelbauwerkstatt Eule gleichgewichtig zueinander. Die vielseitigen Erkenntnisse aus der Beschäftigung mit historischen Orgeln wirken als Inspiration und Erfahrungsschatz befruchtend auf den Neubaubereich ein. Eule Orgelbau Bautzen schöpft seine klangliche Stilistik aus der Tradition des mitteldeutschen Orgelbaus von Silbermann, Hildebrandt und Trost bis hin zu Ladegast, Walcker, Steinmeyer, Sauer und nicht zuletzt Firmengründer Hermann Eule. Eine Bereicherung erfahren die modernen Orgelkonzeptionen der Werkstatt durch Klangfarben und Techniken insbesondere des englischen und amerikanischen Orgelbaus.

Eule-Orgel im Dresdener Kulturpalast (Foto Christian Gahl)

 

Neue Orgeln können in verschiedenen Stilen gebaut werden, ohne zur Beliebigkeit zu neigen, sondern unter Berücksichtigung ihrer künstlerischen Herkunft und Erfahrung, der mitteldeutschen Orgelbautradition der barocken und romantischen Vollorgeln und unter Einbeziehung von Inspirationen vor allem aus dem anglo-amerikanischen romantischen Orgelbau.

Eine Besonderheit des Unternehmens sind ihre Entwicklungen im Bereich der Elektronik, die sie seit 2008 gemeinsam mit der Hochschule für Technik in Mittweida realisieren. Hier entstanden Programmsysteme für Setzer- und Traktursteuerung, deren Ziel es ist, eine Betriebssoftware-unabhängige Programmierung zu entwickeln, mit standardisierten, langlebigen Bauteilen, die eine längere Haltbarkeit und Reparaturfähigkeit erwarten lässt. Das System kann auch als rein additive Bypass-Traktur für historische elektrische oder pneumatische Traktursysteme Anwendung finden. Dazu gibt es Beispiele in Mittweida, Euba und Pößneck.

Doch das wertvollste „Kapital“, das sie in ihre Orgelarbeiten einbringen können, sind das Engagement und die Erfahrungen der 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die dem Unternehmens teils schon über 40 Jahre seit der Lehre die Treue gehalten haben. Orgelbau Eule verfolgt den Grundsatz, ihre Arbeiten nur mit den eigenen Orgelbauern auszuführen – ohne Aushilfskräfte, befristete Mitarbeiter, Drittfirmen oder Zulieferer ohne adäquates Qualitätsniveau. Auszubildende sind für ausschließlich der eigene Orgelbauernachwuchs. In der Beschränkung der Quantität sehen sie den richtigen Weg für die Sicherung des hohen Euleschen Qualitätsanspruchs. Mit langjährig erfahrenen Spezialisten für Konstruktion, Intonation, Pfeifenbau, Zungenstimmen, Windladen-, Spieltisch- und Trakturbau, Gebläse und Gehäuse und nicht zuletzt hochqualifizierten Orgelrestauratoren kann die Bautzener Orgelbauwerkstatt auch in Zukunft in allen Bereichen tätig sein.

Das Unternehmen ist nicht nur deutschlandweit, sondern auch im Ausland zu finden. Derzeit wird eine neue Orgel für den Konzertsaal in Xi’an in der VR China gebaut. Andere Instrumente stehen in Ländern wie Norwegen, Dänemark, Schweden, Liechtenstein, Österreich, Israel, Tschechien und Russland.