Jochen Rüth

Jochen Rüth arbeitet als Töpfer und keramischer Bildhauer.
Auf der Scheibe gedrehte Gefäße – schlichte, klassische Formen überzogen mit selbst entwickelten Glasuren stehen materialintensiven, experimentellen Plastiken gegenüber.

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Jochen Rüth

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Schon immer fasziniert von Oberflächen, die durch natürliche Prozesse wie Verwitterung, Bemoosung, Flechtenbefall oder Oxidation herbeigeführt werden, hat Jochen Rüth durch zahlreiche Experimente und beeinflusst durch japanische Brenntechniken ein Verfahren entwickelt, das seinen Keramiken nach dem Brand bei ca. 1300 °C mitunter den Charakter von Grabungsfunden verleiht. Die Tonaufbereitung geschieht in Handarbeit.

Je nach Bedarf werden dem Tonmehl unterschiedliche Magerungsmittel beigemischt. Sand gibt der Oberfläche eine raue, steinige Textur, gröbere Quarzsteinchen blühen während des Brandes zu kristallähnlichen Körnern aus. Perlite, ein aufgeblähtes Vulkangestein, hinterlässt nach dem Brand Poren im Scherben und lässt die Keramiken wie Lava oder Schlackebrocken aussehen.

Die Plastiken und skulpturalen Gefäßobjekte entstehen aus dem massiven Tonblock. Mit einem Draht oder einer Klinge aus der Masse geschnittene, geometrische Grundformen werden anschließend mit Hilfe von einfachen Werkzeugen oder auch mit der bloßen Hand durch wenige, impulsive Eingriffe in dynamische Körper umgewandelt.

Eine „Schocktrocknung“ der feuchtplastischen Rohlinge mit der Flamme eines Gasbrenners lässt feine Haarrisse in der Oberfläche der Objekte entstehen und führt beim anschließenden Aufbrechen und Dehnen zu klaffenden Spalten. Erstarrten Lavablöcken gleich wird diese Bewegung durch den Brand festgehalten.

Die jüngsten Kugelobjekte aus der Reihe „Geoden“ werden nach dem Brand angesägt und aufgebrochen und offenbaren im Inneren einen geschmolzenen Kern. Das gestalterische Interesse gilt dem Fragment, wie man es auch häufig in der Natur findet. Entstehungsprozesse sollen sichtbar und nachvollziehbar sein.

Unregelmäßige, gebrochene Kanten im Kontrast zu glatten Flächen und tiefen Rissen, die den Blick in das Innere frei geben, zeugen von den Urkräften der Erde. Oft sind es Fundstücke aus der Natur oder geologische Prozesse und Strukturen, die Anregungen zu diesen Keramiken geben. Gebrannt werden die Arbeiten eingebettet in Sägespänen, Heu, Holzkohle und Holzasche im Gasofen bei ca. 1300 °C. Die daraus resultierenden Farben und Oberflächen erinnern an Felsen, Lava oder verbranntes Holz.