ANMUT KÜHNHEIT Werkstatt für Echtes Pergament

„Da das echte Pergament aus unserem Alltag fast verschwunden ist, verwechseln Leute es gerne mit Butterbrotpapier, da Ihnen der Begriff Pergament nur von daher bekannt ist. Es handelt sich jedoch um Tierhaut, die wie Leder hergestellt, aber nicht gegerbt, sondern spanngetrocknet wird“. Ulrike Hamm

Kontakt

ANMUT KÜHNHEIT Werkstatt für Echtes Pergament

Adresse

Prinzenstraße 85 C Hauptzugang C2, über die große Treppe
10969 Berlin

Telefon

+49 (0)30 6953 4120

Öffnungszeiten

Dienstag bis Freitag 12 - 18 Uhr und nach Vereinbarung

Ulrike Hamm wurde 1962 in Norddeutschland geboren. Ihre Ausbildung zur Goldschmiedin erhielt sie von 1978 bis 1981 in der Lehrwerkstatt der Gold- und Silberschmiede-Innung in Hamburg und arbeitete anschließend als Gesellin in verschiedenen Werkstätten.

1990 kam Ulrike Hamm nach Berlin. Als Gasthörerin an der UdK belegte sie Seminare in Kunstgeschichte, Bildhauerei und Zeichnen sowie die Sommerakademie für Bildhauerei. Zwischen 1991 und 1996 studierte sie Schmuck und Gerät an der Hochschule Pforzheim, Fachbereich Gestaltung, und war 2001 erstmals mit ihren Arbeiten aus Echtem Pergament auf der Ambiente in Frankfurt am Main vertreten. Es folgten Publikationen in der Fachpresse und in Ausstellungskatalogen.

„ANMUT KÜHNHEIT, Werkstatt für Echtes Pergament“, eröffnete im Mai 2014 am neuen Standort im Aufbau Haus am Moritzplatz in Berlin Kreuzberg. Das Haus, Sitz der Aufbau Verlagsgruppe und Modulor Material Total, ist ein ehemaliges Fabrikgebäude, welches in einzigartiger Weise Kultur und Kreativwirtschaft unter einem Dach verbindet.

Die Werkstatt für Echtes Pergament ist auf der Stadtterrasse gelegen, ein wunderschöner offener Raum für die verschiedenen Arbeitsbereiche Entwerfen, Material zurichten, Färben, Goldschmieden. Der Raum ist Atelier, Werkstatt und Laden gleichermaßen. Eigene Arbeiten sowie Arbeiten von Kollegen und Gästen rund um das Thema Echtes Pergament und Angewandte Kunst werden zusätzlich in kurzen Ausstellungen gezeigt und es finden Workshops statt.

In der Werkstatt können auch Ihre Wünsche und Vorstellungen bezüglich der Verarbeitung des Werkstoffs Echtes Pergament besprochen und realisiert werden. Je nach Projekt werden andere Gewerke hinzuzogen oder Arbeiten dorthin vermittelt, wie z. B. Buchbinderei, Restaurierung, Musikinstrumentenbau u. a. m.

Für Ulrike, Pergament ist kein Werkstoff von der Stange, der genormt geliefert wird. Es ist störrisch, geheimnisvoll, lebhaft, kostbar, unberechenbar. Ein Material, das erspürt, erobert, erschlossen werden will.

Für die Materialauswahl reise sie direkt zum Hersteller. Nur dort gibt es ein entsprechendes Angebot an Pergamenten. Stundenlang dauert die Sichtung, bis aus Hunderten von Häuten einige wenige ausgewählt sind, die ihren Anforderungen genügen. Doch auch an diesen haben die Anatomie, das Leben und die Verarbeitung ihre Spuren hinterlassen. Je nach herzustellendem Stück können nur bestimmte Partien einer Haut verwendet werden – eine Auswahl, die viel Erfahrung voraussetzt.

 

Um dem Pergament nahe zu kommen, lotet sie seine Eigenschaften aus. Unterschiedliche Einflüsse wie Hitze, Kälte, Nässe oder Säure führen es an seine mechanischen Grenzen. Aus der Fläche entwickele sie dreidimensionale Formen und Verbindungen, Färbe- und Drucktechniken werden auf ihre Tauglichkeit für das Pergament untersucht.

Die vorbereiteten Zuschnitte färbe sie in einer Reihe von Arbeitsschritten im Farbbad. Solange die Teile vom Färben noch weich und elastisch sind, werden sie zu Schmuckstücken montiert.

Als Trägermaterial von geschriebener Information löste das Pergament etwa 250 n. Chr. das Papyrus ab. Ausgangsmaterial sind Häute von Kalb, Ziege und Schaf. Während bei der Lederherstellung das Fasergeflecht durch Gerbstoffe chemisch verändert wird, um die Beweglichkeit der Fasern zu erhalten, wird genau dies beim Pergament gezielt vermieden. Durch die sorgfältige Trocknung der gespannten Haut erwirbt das Material seine einzigartigen Eigenschaften: Pergament ist leicht und elastisch, aber kaum dehnbar. Selbst in langjährigem Gebrauch reißt oder bricht es nicht.

Während der Trocknung schrumpft das Pergament und legt sich entsprechend seiner Wachstumsrichtung. Teilweise wirke sie auf diesen Prozess ein. Dieses Wechselspiel von Einflussnahme und natürlicher Entwicklung lässt Raum für die häufig inspirierenden Überraschungen der dem Material innewohnenden Eigenschaften. Und erst jetzt entscheidet sich, ob sich die Mühe gelohnt hat. Die Schmuckstücke, die diese letzte Prüfung bestehen, belohnen durch ihre Farblebendigkeit, ihre anmutige Form und ihre federnde Leichtigkeit.