Landfrauenküche

In der Schweiz ist man, was bekannt ist, Traditionen aufgeschlossener als auf der deutschen Seite – deshalb gibt es im Schweizer Fernsehen auch Sendereihen wie die »Landfrauenküche« von »SRF bi de Lüt«. Seit 2007 stellt sie jedes Jahr sieben Landfrauen aus verschiedenen Regionen der Schweiz vor, gibt Einblick in ihren abwechslungsreichen, meist vollgepackten Alltag mit Haus, Hof und Familie und präsentiert ihre Küche. Jede von ihnen kocht im Rahmen eines Kochwettbewerbs ein Menü aus drei Gängen mit Vorspeise, Hauptgericht und Dessert, die dann von den anderen Beteiligten gekostet und bewertet werden.

Das Schöne ist nun, dass sich alle diese Rezepte nebst Portraits der „Landfrauen“ in einem Buch versammeln. Wer, wenn nicht die Landfrauen, konservieren ohne viel Chichi traditionelle Kochgewohnheiten, geheime Rezepte und ein enormes Wissen über alles, was bei ihnen in der Umgebung wächst. Warum auch nicht: Zu viele Kochbücher drehen sich nicht zuletzt um die bekannten Persönlichkeiten, die als Fernseh- oder Sterneköche ihr Auskommen bestreiten. Hier blickt das Buch über die Schultern unterschiedlicher Köchinnen aus Saxon, Auw oder Schwellbrunn (also Orten, die jedenfalls in Deutschland niemand kennt).

Die gezeigten Gerichte sind – wenig überraschend – fleischlastig, repräsentieren aber eine liebevolle, kräftige deftig-feine Landküche. Gäbe es in Berlin ein Restaurant, das wenigstens einen Teil dieser Gerichte zusammenführen würde, wäre die Hütte voll. Denn genau diese unverflochtene, aber dennoch nahrhafte und volle Küchenhandschrift findet man eigentlich nicht mehr in städtischen Gebieten, in denen alles Exotische (aus Thailand) schon lange nicht mehr exotisch ist und alles in skalierbaren Gastro-Konzepten gestreamlined ist. Authentisches Essen, das noch in irgendeiner Form mit der Region zu tun hat, aus der man stammt, ist für Städter zu einer erlesenen Seltenheit geworden.

Maya Baers Linsensalat mit Weintrauben

Beeindruckend ist natürlich die Qualität der Kompositionen, bei denen z.B. die Lammwurst mit Aprikosenchutney und Orangen-Wine-Jus, aber vor allem auch drei Arten von Kartoffelbrei gereicht wird: Kartoffelstock mit Safran, blauem Kartoffelstock (aus blauen Kartoffeln aus St. Gallen) und rotem Kartoffelstock (aus roten Kartoffeln). Mehr braucht es nicht.

Vorspeise von Eveline Villiger: Kürbiscarpaccio mit Baumnüssen und Nussbrötchen

Dieses Buch enthält die Porträts und Rezepte der einundzwanzig Landfrauen aus den Sendungen der Jahre 2019 bis 2021. Ein abwechslungsreiches Bild der ländlichen Schweiz und 63 Rezepte, die Tradition mit Moderne verbinden, aber immer im Hiesigen und Lokalen verwurzelt bleiben. Übrigens: Ein sehr gutes Rezept für Rösti ist auch dabei.

Barbara Matters Kreation eines panierten Milchzigers mit Apfelchutney

 

Landfrauenküche – Alle Rezepte der beliebten Fernsehserie 2019-2021
SRF bi de Lüt
AT Verlag
ISBN: 978-3-03902-025-6
4. Auflage, 2022
256 Seiten, 19.5 x 25 cm, gebundener Einband
36,00 Euro

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Fotografien von: © Veronika Studer, AT Verlag / www.at-verlag.ch