Die Welt als Seifenschale

Mit ObaStudios wollten Birgit Ostermeier und Barbara Jenner Produkte entwickeln, die funktionales Design mit nachhaltiger Produktion verbinden. Das Ziel: die Welt zu verbessern, ästhetisch, ökologisch und sozial.

Bei ObaStudios sollen einfache Objekte, die aus verschiedenen Gründen dem Radar der Produktdesigner entgangen sind, in ihrer Form und Funktion verbessert werden. Angefangen hat alles in Famalicao, einem kleinen Dorf in Portugal, in dem die beiden Frauen während eines Sommerurlaubes beschlossen, zusammen das Unternehmen zu gründen.

Eines auf diese Weise vernachlässigten Produkte begegnet einem üblicherweise gleich am Morgen: die Seifenschale. Spätestens wenn man das Seifenstück wieder einmal aus seinem eigenen Matsch befreien muss, wird einem die mangelnde Funktion klar. Ostermeier und Jenner sahen dort Handlungsbedarf und zugleich eine Chance. Seifenschalen sind ein Produkt des täglichen Gebrauchs, fast jeder Haushalt, der nicht ausschließlich Seifenspender nutzt, besitzt eine. Bisher wurde das dazu passende Seifenstück mit Attributen wie unhygienisch oder glitschig in seinen Potentialen wohl unterschätzt, zumal diese eher auf eine mangelhafte Aufbewahrung als die Qualität der Seife an sich verweisen.

 

Der „carbon footprint“ des Seifenstücks ist 25% geringer als der von Flüssigseife aufgrund der fehlenden Verpackung und des Verzichts auf zugesetzte Chemikalien. Im Moment lässt sich ein Comeback des Seifenstücks beobachten, ein wachsender Trend, wie in verschiedenen Marktanalysen und Artikeln berichtet wird. Dies liegt zum einem an der zunehmenden Zahl umweltbewußter Konsumenten aber auch an der Neuerfindung des Seifenstücks, dessen Produktpalette weit über die traditionelle Kernseife hinausgeht. Gleichzeitig hat sich das Seifenstück in letzter Zeit zu einem Luxusobjekt etabliert, das nur noch in seiner Beschaffenheit an seine ursprüngliche Form erinnert. Schaut man sich den Markt genauer an, ergibt alleine die Studie bei einem großen Online-Händler über 3000 Antworten auf die Frage mit Seifenschalen in diversen Designs und Material.

Damit ist das Problem nicht gelöst. Die Analyse der angebotenen Produkte zeigt schnell, dass entweder das Material, das Design, die Funktionalität, die Herstellungsweise oder alles zusammen zu wünschen übrig lässt. Das Ziel war damit klar und eine Grundform schnell entwickelt, danach wurde getestet. Mit Hilfe von UX Design wurden schließlich sämtliche Pain-Points der Reihe nach ausgeschlossen.

Das Ergebnis: Rocky M., eine Seifenschale mit asymetrisch-zackiger Form, die stolz den Namen der berühmten Bergkette in Nordamerika trägt. Da das Seifenstück nur auf minimalen Punkten aufliegt, kann es bestmöglich trocknen. Ein Nebeneffekt: die Haltbarkeit der Seife wird deutlich verlängert. Die Funktion ist bei einem Alltagsobjekt zentral, für Ostermeier und Jenner, die beide aus dem Kunstbereich kommen, spielt die Ästhetik eine ebenso große Rolle. Schließlich sollten auch die kleinen Dinge, die einen alltäglich begegnen, Freude machen. Die Seifenschale Rocky M. ist aus Keramik, genau genommen aus hoch gebranntem Steinzeug. Sie wird in den Christophorus-Werkstätten in Fürstenwalde handgefertigt, jedes Exemplar ist ein Unikat mit individuellem Charakter. Die Christophorus-Werkstätten sind eine anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen. Die über 420 Beschäftigten können wegen Art und Schwere ihrer Behinderung nicht oder noch nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein.

 

Mit den Christophorus Werkstätten ist bereits die Erweiterung der Seifenschale zu einer Produktfamilie geplant. Es gibt viel zu tun, denn Alltagsgegenstände mit Verbesserungsbedarf gibt es jede Menge. Bereits in Produktion sind die Flips, Vase und Kerzenständer je nach Bedarf, die selbst kleine Tische wunderbar dekoriert. Ab Januar 2023 wird Barbara Jenner, die bisher neben der Entwicklung von Prototypen für alle kreative Prozesse verantwortlich war, Oba Studios alleine weiterführen.